Die Tracht der Sorben um Cottbus


Die Region um Cottbus ist das größte sorbische Trachtengebiet. Etwa 60 Ortschaften gehören dazu. Sie wird oft als «Spreewaldtracht» bezeichnet, obgleich der Spreewald nur einen geringen Teil des Gebietes ausmacht. Charakteristisch sind der Bandrock und das große Kopftuch (lapa). Früher wurde die lapa aus einem großen Tuch gebunden, heute aus drei Teilen. Seine jetzige Größe hat sie um 1925 erhalten. Mit seiner endgültigen Ausformung stieg das Kopftuch aus der Arbeitstracht über die Kirchgangstrachten in die Festtrachten auf und verdrängte die noch üblichen Mützenformen.
Bis zum Zweiten Weltkrieg wurde die Tracht von fast allen sorbischen Mädchen und Frauen getragen. Während des Nationalsozialismus erfuhr die Tracht eine gewisse Förderung und Pflege als „deutsche Spreewaldtracht“ und wurde zu Trachtenfesten gezeigt. Um 1920 verschwanden die großen Kopftücher aus der Schulkleidung und Mädchen gingen mit bloßem Kopf oder im kleinen Kopftuch zur Schule. Die Männerkleidung war bereits seit dem 19. Jahrhundert modisch, obgleich weiterhin Leinwandhemden mit einfachen Stickereien, Leinwandhosen und –kittel getragen wurden. 2008 gab es noch etwa 100 Frauen, die täglich in Tracht gingen. Zudem werden die Festtrachten vor allem zu brauchtümlichen Anlässen, wie Zapust oder Hahnrupfen, getragen oder sind Auftrittskleidung folkloristischer Tanz- und Gesangsgruppen.